Montag, 28. November 2011

Abisko Hinfahrt und Nordlichttour

Letztes Wochenende war wohl das bisher spannendste/ungewöhnlichste Wochenende während meines Austauschssemesters. Wir (d.h. zwei Kanadier, drei Niederländer, ein Franzose, zwei Deutsche und zwei Belgier) sind nach Abikso gefahren. Abisko liegt 195km nördlich des Polarkreises und hat geschätzte 100 Einwohner.
mein Bett
Aber von vorne. Die Fahrt begann Freitag um 18:35 Uhr. Angekommen sind wir Samstag um 11:45 Uhr. Wir mussten einmal um 7 Uhr umsteigen, hatten aber dafür eine Kabine in einem Schlafwagen. Die war in der Tat sehr klein. Auf ungefähr 2x2 Metern haben sie 6 Betten untergebracht, jeweils drei übereinander. Irgendwie kam bei allen etwas Harry Potter Feeling auf. Den Abend haben wir uns mit Spielen vertrieben, ehe wir versucht haben etwas zu schlafen. Auch wenn es alles etwas eng und ruckelig war ging das mehr oder weniger gut. Um 6:30 Uhr sind wir aufgestanden, haben unsere Sachen gepackt und sind in den nächsten Zug gestiegen. So langsam ging dann auch die Sonne auf und man konnte etwas von der Landschaft sehen. Und zwar nur Landschaft. In den 4 Stunden haben wir 3-4 Mal gehalten und ansonsten wirklich keinerlei Zivilisation gesehen. Bis wir schließlich in dem kleinen Ort Abisko angekommen sind. Dort ist es wirklich schön!
Sicht aus dem Bett (ok, die
Schienen habe ich weggeschnitten)
Unser Hostel lag direkt bei der Zugstation (Bahnhof kann man das nicht nennen), was aber nicht weiter schlimm ist, da dort nur dreimal täglich ein Zug fährt. Beim Hostel hat uns der Leiter schon erwartet und uns unsere Zimmer gezeigt. Die waren auch nett eingerichtet. Dann ging es aber schon mit den Problemen los: Das Hostel baut gerade eine neue Sauna, weswegen wir sie nicht benutzen konnten. Aber es gibt eine kleine Grundschule im Dorf, welches ein kleines Schwimmbad mit Sauna besitzt und der Leiter des Hostels hat uns versprochen die Hälfte des Eintritts zu übernehmen. Die Sauna in der Schule hat sich noch aus einem anderen Grund angeboten: dort gibt es Duschen. Nicht, dass es im Hostel keine gäbe. Aber die hat zwei Nachteile: 20 Leute teilen sich eine Toilette und eine Dusche. Allerdings sind die auch noch in einem Raum, sodass keiner auf die Toilette kann wenn jemand duscht. Zweiter Nachteil ist, dass die Warmwasserleitung irgendwie gekappt wurde. Auf jeden Fall hatte das ganze Hostel (also ca. 45 Personen) nur 200 Liter warmes Wasser am Tag zur Verfügung.
Also sind wir nach unserer Ankunft in Abisko in das kleine Schwimmbad, haben noch ein paar Pflichtfotos im Bikini im Schnee gemacht, sind in die Sauna und haben dann lange warm geduscht.
Schneeanzüge
Davor sind wir noch in den ortseigenen Supermarkt. Der ist erstaunlich groß. Vor allen Dingen die Süßwarenabteilung war riesig. Und das bei 100 Einwohnern. Es war etwas schwer mit 10 Personen ein gemeinsames Essen einzukaufen, doch auch diese Herausforderung haben wir gemeistert :) So gab es abends Nudeln mit Soße und (seperat wegen der Vegetarier) noch Hackfleisch. Da waren alle glücklich. Abends kam dann das große Highlight: Die Nordlichtour. Zunächst haben Yvana und ich uns die tollen Schneeoveralls geholt, die das Hostel kostenlos zur Verfügung stellt. Nicht, weil es sehr kalt war, sondern einfach um das Lapplandfeeling zu bekommen. Die Anzüge sind auch super, sie halten wirklich warm und sind wasserabweisend. Yvana und ich sind etwas früher aus dem Hostel um noch einen Schneemann zu bauen. Das war nämlich unser nächster Pflichtpunkt. Er ist zwar nicht so groß geworden und wurde daher auf den Namen Smally getauft, aber er wurde allgemein als vollwertiger Schneemann anerkannt.
Smally
Um 21 Uhr haben wir uns mit dem Führer getroffen. Jeder hat eine Stirnlampe bekommen. Dann sind wir los auf einen nahegelegenen Berg geklettert. Gleich am Anfang haben wir ein kleines Nordlicht gesehen. Allerdings war es noch etwas früh und da es recht hell war, sah es nicht soo viel anders als die paar kleinen Wolken drumherum aus. Hätte der Führer uns nicht darauf hingewiesen, wäre es mir nicht aufgefallen.
Oben am Berg hatten wir eine schöne Aussicht. Immer mal wieder kam ein kleines Nordlicht. Zwischendurch gab es ein kleines Lagerfeuer und heiße Limonade. Dort standen wir ca. 1 Stunden und waren kurz davor aufzubrechen. Und dann, auf einmal: Der ganze Himmel ist erleuchtet und ein riesiges Nordlicht ist da. Es flackert und flimmert und sieht einfach toll aus! Ich habe versucht ein paar Bilder zu machen, aber ohne Stativ sind die ein wenig verwackelt. Auch täuschen sie etwas: Das Nordlicht sieht auf den Bildern intensiv grün aus, in Wirklichkeit war ein strahlendes Weiß mit leichtem Grünstich. Die Französin hatte eine gute Kamera dabei uns wenn ich darf, werde ich später noch ein paar Bilder von ihr herein stellen.
kein tolles Bild, aber der Beweis!
Auf jeden Fall waren wir alle sehr sehr froh und glücklich! Laut dem Führer war letzte Woche ein Paar fünf Tage lang jeden Abend draußen und hat keines gesehen, und wir hatten nur diese einzige Chance und dann sehen wir so ein tolles Nordlicht. Und wie der Führer es gesagt hat: Manchmal kommen Nordlichter von einem Moment auf den anderen. Bei uns war es auch so. Erst war ein kleines Licht zu sehen und binnen Sekunden wird es größer und größer bis der halbe Himmel strahlt und flackert. Wirklich toll!
Schneeengel
Auf dem Rückweg konnten wir es uns dann nicht nehmen lassen die Schneeanzüge auszunutzen und uns in den Schnee zu legen und Schneeengel zu machen. Um Mitternacht waren wir dann wieder im Hostel, alle sehr müde von der Fahrt und den vielen Erlebnissen.

Donnerstag, 24. November 2011

Essen, essen, essen

Wie bereits im gestrigen Blogeintrag erwähnt, besteht diese Woche aus drei verschiedenen Dinners. Gestern habe ich mich mit Yvana und Annika getroffen um zusammen einen schwedischen Karottenkuchen zu backen.
Karottenkuchen
Obwohl, ob der so schwedisch ist weiß keiner genau, aber das ist kein Grund ihn nicht zu backen. Vor ca. 1,5 Monaten habe ich den fatalen Fehler begangen Zimtmüsli zu kaufen, weswegen ich dann zwei Wochen lang jeden morgen eine Überdosis Zimt essen musste. Deswegen kann ich das mittlerweile nicht mal mehr riechen. Das ist sehr schade, denn der Großteil allen schwedischen Gebäcks besteht aus Zimt. So auch der Karottenkuchen.
Zum Glück hat es sich noch im Rahmen gehalten und der Kuchen ist wirklich sehr lecker geworden. Wahrscheinlich backen wir ihn nächste Woche gleich wieder.
Tomaten und Zucchini für den
Couscoussalat
Als der Kuchen im Ofen war haben wir noch Couscoussalat als Abendessen gemacht.
Heute morgen hatte ich dann wieder meinen Informatikkurs und diesmal sollten wir lernen wie man Unix programmiert. Am Anfang war das etwas anstrengend, weil man alles getreu der Anleitung abgetippt hat und es trotzdem nicht funktioniert hat. Und als mich mein Sitznachbar dann noch mit Fragen durchlöchert hat, die ich natürlich selber auch nicht beantworten konnte, wurde ich doch etwas genervt ;) Aber nach einer ausführlichen Mittagspause kamen wir alle ausreichend gestärkt zurück und es ging dann doch alles relativ einfach und schnell.
'mein' Mac
Besonders gefallen hat mir der Befehl 'sleep x', bei der man x durch eine beliebige Zahl ersetzt und die Kommandobasis genau für diese Zeit dann gar nichts macht und man selber auch nichts daran ändern kann. Außer man verwendet den Befehl 'kill', aber das wollen wir ja nicht :) Und wenn es mal ganz schlimm wird, lockert man die Runde mit ein paar 'say'-Befehlen auf und lässt den Computer seine Gedanken ausprechen.
Abends war ich dann zu einem Thanksgivingdinner bei einer Amerikanerin aus meinem Bioinformatikkurs eingeladen. Truthähne gab es nur auf den Papptellern und Servietten, aber dafür hatten wir zwei Hühnchen. Außerdem gab es noch jede Menge Würstchen, Bohnen, Fleischbällchen, Kartoffelbrei und Kuchen. Ich durfte den Mais beitragen :)
Truthahnteller
Dazu hat die Gastgeberin noch irgendein amerikanisches Getränk gemacht. Im Endeffekt war das laut ihrer Aussage Saft mit (seehr) viel Zucker. Alternativ gab es noch Cola und irgendeine schwedische Weihnachtsbrause. Allein die Getränke hätten den Zuckerbedarf von mehreren Wochen decken können, weswegen ich dann sehr schnell zu Wasser umgestiegen bin.
der Truthahnersatz
Gleich werde ich noch anfangen meine Sachen zu packen, denn: morgen Abend geht es los nach Abisko. Das ist gaaanz im Norden von Schweden, knapp über Kiruna. Dort wollen wir Nordlichter schauen gehen (klappt wohl leider nicht wegen der Wolken) und Schlitten fahren (klappt wohl leider auch nicht wegen Schneemangels). Aber vielleicht haben wir Glück!! Auf jeden Fall war ich noch nie so weit im Norden :)

Mittwoch, 23. November 2011

brasilianischer Geburtstag

Derzeit ist bei mir ziemlich viel los, was aber alles sehr viel Spaß macht. Diese Woche häuft sich zudem eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Dinnereinladungen, sodass ich glücklicherweise nicht so oft (alleine) kochen muss.
Gestern bin ich zunächst vorbildlich schwimmen gegangen. Ich muss schließlich mein 10er-Ticket ausnutzen. Da ich Montag eine Klausur schreibe, habe ich mir anschließend ein paar Artikel zu transgenen Kühen durchgelesen. Am frühen Abend ging es hoch zu der Kanadierin, wo wir zusammen mit einer Niederländerin gegessen haben. Es gab leckeres mit Parmesan überbackenes Knoblauchbaguette, eine Spinatquiche mit Speck und Salat. Im Gegensatz zum Winter Dinner endlich mal genug zum satt werden! Allerdings bin ich das nächste Mal mit kochen dran :(
Danach habe ich mich mit dem Fahrrad auf den weiten Weg (es waren immerhin sieben Kilometer!) nach Lilla Sunnersta gemacht. Dort haben Yvana und ich erstmal 20 Minuten auf dem Gelände nach dem Gemeinschaftsraum gesucht, ehe wir den Mongolen aus meinem Kurs getroffen habe und er uns weiter helfen konnte. Im Gemeinschaftsraum hat nämlich eine andere Kommilitonin aus Brasilien ihren Geburtstag gefeiert. Hat Spaß gemacht, zumal wir keine soo große Gruppe waren (d.h. man konnte sich mal bewegen), es auf den Tischen immer etwas zu essen gab und auch ein Tischtennistisch da war. Wenn einem also mal langweilig wurde konnte man einfach Tischtennis spielen. Außerdem gab es noch - ganz brasilianisch - diverse Cocktails, wobei ich irgendwie leider vergessen habe einen zu probieren. Aber sah sehr professionell aus!
Heute morgen habe ich dann endlich mal wieder richtig Sport gemacht und bin 8km laufen gegangen und habe danach noch 30 Minuten Athletikübungen in meinem Zimmer gemacht. Das ist das tolle in meinem Zimmer: In Hannover hat man maximal Platz für Liegestütze, aber hier kann man sich in alle Richtungen austoben.
Gleich treffe ich mich noch mit Yvana und Annika um schwedischen Karottenkuchen zu backen und Couscoussalat zu kochen.
Gestern sind wenige sinnvolle bzw. internettaugliche Bilder entstanden, deswegen nur eines von Yvana und mir :)

Sonntag, 20. November 2011

Swedish Winter Dinner

Gestern war es Zeit für das Swedish Winter Dinner. Gegen 16:30 Uhr habe ich mich mit Annika und Yvana getroffen, um unseren Kostümen den letzten Feinschliff zu verpassen.
Nacht, Nordlicht, Frost
Ich habe mich dafür entschieden als Nordlicht zu gehen. Dann sind wir auch schon los nach Ultuna zu unserer Union geradelt. Zum Glück (oder leider, wie man es nimmt) ist es hier wieder etwas wärmer, sodass es nicht mehr so glatt auf den Straßen war und wir mit dem Rad dort hin fahren konnten.
Dort angekommen gab es etwas zu trinken (was genau konnte keiner sagen, aber es hatte eine schöne hellblaue Farbe) und die anderen Kostüme wurden betrachtet.
Dinnerregeln (drauf-
klicken!)
Wir hatten relativ viele Rentiere (insbesondere in der männlichen Fraktion) und eigentlich eine komplette Weihnachtsaustattung samt Weihnachtsbaum und Geschenk. Es gab auch recht viele Sportler, die scheinbar beim Vasalauf teilgenommen haben. Auch ein Pinguin war da :) Immer noch nicht verstanden habe ich, was ein Schotte mit dem schwedischen Winter zu tun hat.
Recht bald ging dann auch schon das Essen los. Es gab eine sehr leckere Hühnerbrust mit Kartoffeln. War gut, aber leider etwas wenig. Ich bin mittlerweile der Meinung, dass man in Skandinavien schon vor einem Dinner essen sollte um satt zu werden. Während des Essens wurden wieder die obligatorischen Lieder gesungen.
Lieder singen
Da das Dinner allerdings vom Internationalen Kommitee ausgetragen wurde, haben sie netterweise manche Lieder ins Englische übersetzt. Auch wenn dann kein Sinn mehr vorhanden war, konnte man wenigstens mitsingen.
Als Nachtisch gab es dann ein kleines Stück Rharbarberkuchen. Das Dinner war auf jeden Fall sehr lustig und hat Spaß gemacht. Anschließend gab es noch eine Afterparty. Das Uniongebäude ist schön und recht groß, und war für diesen Zweck leider etwas zu groß.
Kunst!
 Es hat sich alles etwas verlaufen. Manche waren auf der Tanzfläche, oberhalb dessen man Billiar spielen konnte, und dann gab es noch einen recht großen Raum in dem die Bar war. Das war etwas schade, vielleicht hätte man versuchen sollen das alles etwas mehr zu komprimieren. Aber nett war es trotzdem :)

Mittwoch, 16. November 2011

Sport

Dienstag und Mittwoch (also heute) musste ich nicht zur Uni fahren. Ich habe allerdings genug Arbeit für zuhause (falls irgendjemand auf die Idee kommen sollte, Studenten als faul zu bezeichnen!). Dadurch hatte ich aber die Möglichkeit das Licht auszunutzen. Hier wird es mittlerweile nämlich schon recht früh dunkel.
Dienstag bin ich hier zum ersten Mal schwimmen gegangen. Das Schwimmbad ist auch nicht weit von mir entfernt und ich habe mir gleich ein 10er-Ticket gekauft, sodass ich dort öfter hingehen werde. Das Bad ist auch wirklich ganz schön. Beim Schwimmen hat man einen Panoramablick auf die Kathedrale, da diese nur ca. 100 Meter entfernt ist und der Blick dank dem Fluss Fyrisån unverbaut ist. Nach dem Schwimmen habe ich dann den Wärmepool ausprobiert - wenn auch mit wenig Blubberblasen doch sehr angenehm. Außerdem kann man dort noch in eine Sauna gehen. Nach dem Wärmepool ging es also in die Sauna und anschließend wieder in den Wärmepool. Zugegeben, ich habe wohl mehr Zeit in diesem Teil des Schwimmbads als im 25-Meter Becken zugebracht.
endlich etwas Frost hier in Schweden
Gestern habe ich mir dann noch von einem Bekannten ein paar OL-Karten ausgeliehen und bin heute morgen dann in das benachbarte Nästen gefahren. Allerdings habe ich schon für die Anfahrt mit dem Fahrrad (ca. 4 km) ca.eine Stunde gebraucht. Immer dieser Drang Abkürzungen nehmen zu wollen, obwohl man diese nicht kennt...
auf dem Rückweg
Ist auf jeden Fall sehr schön dort und nicht umsonst ein Naturreservat. Allerdings gibt es auf der Karte leider wenig Wege und umso mehr Moore. Nachdem ich irgendwann den Startpunkt gefunden habe, bin ich ganz langsam zu 2,5 Posten gewandert und habe mir dabei die Umgebung angeschaut. Es war relativ kalt, aber dafür schien die Sonne, weswegen der Wald sehr schön aussah. Der Rückweg ging dann auch um einiges schneller :)

Posten 1: Zwischen zwei Felswänden
Posten 2: Stein im Sumpf