Donnerstag, 29. September 2011

Sonntag beim Berlin-Marathon

Sonntag war der Berlin Marathon. Den habe ich natürlich weitesgehend versucht von hier aus zu verfolgen. Was gibt es schöneres als Sonntag morgens auszuschlafen, zu frühstücken und dabei den Marathon anzuschauen. Leider konnte ntv den Livestream nicht nach Schweden übertragen, aber zum Glück wurde mir noch die englische Variante von Eurosport gezeigt, wo ich dann alles live verfolgen konnte. Parallel dazu habe ich noch den SMS-Service für alle die ich kannte abonniert, und versucht per GPS zu verfolgen. Letzteres hat nicht geklappt, und die SMS kamen teilweise erst um 18 Uhr abends an, aber es war trotzdem schön und spannend. Könnte jeden Sonntag sein.
Herbst in Uppsala
Dienstag war ich wieder im Labor und zu schauen, ob ich Freitag zuvor ein Produkt erhalten habe. Und, tada!, bei 3 von 4 Proben hat es funktioniert. Und bei der letzten bin ich noch nichtmal Schuld, sondern ein Inhaltsstoff :) Da müsste man ein paar Parameter verändern, um den Inhaltsstoff zum Arbeiten zu bringen, aber dafür haben wir keine Zeit. Morgen geht es dann weiter um die DNA-Proben aufzubereiten, sodass wir sie zu einer Firma schicken können die sie dann sequenziert. Mit Glück ist in einer meiner Sequenzen dann ein Unterschied zwischen den verschiedenen Hühnern, sodass ich einen Marker finde. Den Marker kann man
dann verwenden um schon im Hühnerembryo die zukünfitge Fußfarbe des Huhns festzustellen. An was für weltbewegenden Sachen hier so geforscht wird :)
Heute ist in Uppsala sehr schönes Wetter. Die letzten Tage hatten wir teilweise maximal 10°, aber jetzt kratzen wir wieder an der 20°-Marke!! Und morgen soll sogar den ganzen Tag die Sonne scheinen.
Auf Grund des schönen Wetters bin ich heute dann auch mal laufen gegangen. Das war wirklich schön, wobei mein Schienbein immer noch etwas weh tut. Ich werde es langsam angehen lassen. Ich bin diesmal nördlich von Uppsala entlang gelaufen. Dort ist nur ein kleiner Wald, und dahinter sind Felder mit vereinzelten kleineren Waldstücken, wo schöne Trampelpfade über Felsen entlang führen. Noch schöner wäre es, wenn nicht die Autobahn mitten durch die Felder gehen würde. Als ich heute dann dort laufen war, bin ich mitten auf einem riesigen Friedhof gelandet. Wobei es etwas merkwürdig war, da die Grünfläche richtig groß war (ich bin ja nicht absichtlich auf den Friedhof gelaufen), aber dann vereinzelt mal eine Gruppe Gräber da rumstand. Entweder wurde der erst neu angelegt, oder sie haben kürzlich gründlich aussortiert. Wie dem auch sei, das nächste Mal werde ich rechts statt links abbiegen :)
mein Lernplatz :)
Nächste Woche Dienstag schreibe ich hier die erste Klausur. Wobei die (hoffentlich) nicht schlimm wird. Ansich ist sie sogar freiwillig, aber es wurde uns nahegelegt auf jeden Fall zu kommen. Dort kann man dann Extrapunkte für die große Klausur in einem Monat sammeln. Da mein Buch, was ich vor drei Wochen bestellt habe, immer noch nicht da ist, hat mir ein Kommilitone zum Glück eines besorgt. Damit bin ich heute Nachmittag noch losgezogen und habe mich auf eine nahegelegene Lichtung in einem kleinen Wald gesetzt und etwas gelernt. Das war schön, zumal das hier mit Sicherheit einer der letzten wärmeren Tage werden dürfte.

Dienstag, 27. September 2011

Kostümparty

Samstag ging es dann tagsüber in erster Linie um die Fertigstellung des Kostüms. Irgendwann kam auch noch Yvana vorbei, um sich Rock und Strumpfhose auszuleihen. Da ich am Freitag von meiner Mutter noch eine kleine Kuchenform geschickt bekommen habe, konnte ich auch endlich mal einen Auflauf kochen.
Vorbereitungen
Abends ging es dann zu der Party. Wir kamen zu dritt gegen 20 Uhr an, und es war noch niemand da. Scheinbar war unklar ob alles um 20 oder 21 Uhr anfangen sollte. Auch die Gastgeberin war sich da nicht so ganz sicher. Aber wir mussten uns sowieso noch fertig machen. Yvana wurde nochmal nachgeschminkt und mit Blättern bestückt um als vollwertiger Baum durchzugehen und ich habe die Pappen zusammen geklebt.
Die Feier war dann ganz lustig. Wobei vor allem der männliche Part teilweise die Verkleidung "vergessen" hat. Trotzdem war Mel B von den Spice Girls für Großbritannien vertreten, die Berliner Mauer kam gleich in zweierlei Ausführung, ein Mädchen aus Taiwan hatte ein typisch asiatisches Kleid an, Lederhosen waren vorhanden, Mozart ist auch gekommen, Finnland wurde durch einen Saunagänger und eine Metalsängerin vertreten und eine Cheerleaderin aus Amerika war auch da.
Mel B, traditionelles
Mädchen aus Taiwan,
Fußballfan aus NL, Keks
Nicht zu vergessen die ganzen Fußballfans aus den Niederlanden, Deutschland und Argentinien!
Ich wusste gar nicht, dass Leibnizkekse maximal im unmittelbaren deutschen Umfeld bekannt sind (Österreicher und Niederländer kannten sie), aber jetzt weiß jeder, dass sie aus Hannover kommen und Hannover auch die grünste Stadt Deutschlands ist (repräsentiert durch Yvana als Baum).
Ich kam mir auch etwas wie eine Reklametafel vor. Mir wurde auch diverse Male der Vorschlag gemacht, doch ein Bild an Leibniz zu schicken um ein Sponsoring zu beantragen.
Die Feier fand in einem Studentenwohnheim direkt beim Campus der Uni statt. Also ansich etwas ungünstig gelegen, da der Campus ca. 6 km südlich von Uppsala liegt. Aber die Häuser sind wirklich sehr schön. Richtige kleine Schwedenhäuser mit roter Farbe und weißen Fensterläden :)
Alles in allem war das eine schöne und gelungene Feier. Bilder habe ich leider keine machen können, da mein Kostüm extrem unpraktisch war (ich hab die Pappen dann auch irgendwann ausgezogen) und ich mich nicht zu meiner Tasche runter bücken konnte. Aber es wurden auch so sehr viele Bilder gemacht.

Samstag, 24. September 2011

Snickers in Kuchenform

Freitag, 23.09.2011:
So, da mein Leben nicht nur aus Vorlesungen besteht, jetzt zum restlichen Freitag. Nachmittags musste ich das erste Mal in das richtige Labor um dort einen Versuch durchzuführen. Ganz interessant war hierbei die Arbeitsweisen in meiner Uni in Deutschland und hier zu vergleichen. Die Methode die wir machen sollten habe ich in meinem Praktikum vor dem Umzug nach Schweden schon ein paar Mal durchgeführt, da sie Bestandteil meiner Bachelorarbeit sein wird. Und damals hat sie mich ehrlich gesagt ziemlich genervt. In Schweden geht die gleiche Methode um einiges schneller. Statt z.B. die 300 Proben in kleinen Tubes zu mischen und dann alle 300 Proben einzeln in die letztendlichen Plattenabschnitte zu pipettieren, mischen sie hier gleich alles in der Platte zusammen. Eigentlich sinnvoll, da man 300 Mal weniger pipettieren und 300 Tubes weniger beschriften muss. Außerdem haben wir in Deutschland nur Einzelpipetten. Hier gibt es aber 8erPipetten, sodass man (wenn denn in alle Tubes das gleiche muss) sich 7 Mal pipettieren spart. Und zu guter letzt arbeiten sie hier mehr oder weniger auf "irgendeinem" Tisch, wohingegen ich in Deutschland an einer Clean bench arbeiten musste. Die kann ziemlich nervig werden, weil man nicht auch mal kurz die Arbeitsfläche verlassen darf ohne sich wieder mit Desinfektionsmittel einreiben zu müssen.
der Stadtwald
Ich bin mal gespannt, ob man mit der schwedischen Methode zu einem Ergebnis kommt. In Deutschland hat es bei mir alle drei Mal nämlich nicht funktioniert.
Zwischen der Vorlesung und dem Labor habe ich auf dem Heimweg noch einen Abstecher in den Wald gemacht, weil sehr schönes (wenn auch kühles) Wetter war. Dort war scheinbar ein gesamtes Lehrerkollegium dabei, ihren Schülern Orientierungslauf beizubringen. Kinder von 8-14 Jahren sind mir unentwegt aus dem Wald entgegen gekommen.

Bis 16 Uhr war ich also im Labor. Danach habe ich mich mit Yvana und einer Kanadierin in der Stadt getroffen. Eigentlich wollten wir in unsere Nation zum fridays luxury.
der Superkuchen :)
Allerdings findet das scheinbar doch nicht jeden Freitag statt, sodass wir in das Linné café gegangen sind. Das ist nicht wirklich günstig, aber es gibt sehr leckeren Kuchen da. Ich habe den äußerst kalorienarmen Snickerskuchen gegessen :)

Abends sind wir dann noch in eine andere Nation gegangen. Momentan sind nämlich ca. 200 Studenten aus Skandinavien an der Uni hier, um an einem großen Sportwettbewerb teilzunehmen. Typisch schwedisch waren wir dann schon um 20 Uhr da. Allerdings hat sich die Musik ab 23 Uhr ziemlich wiederholt. Einmal kann ich mir Lady Gaga ja noch anhören, aber ihr aktuelles Album in Dauerschleife zu hören... Ansonsten hat es aber Spaß gemacht.

ein Ausflug in die Entwicklungsgenetik

Freitag, 23.09.2011:
Ich hatte heute schon um 8:15 Uhr Uni. Das ist in Deutschland zwar eine normale Zeit, aber hier in Schweden ungewöhnlich früh. Meist fangen die Vorlesungen erst um 9-10 Uhr an. Dafür war die Vorlesung aber auch wirklich interessant. Es ging im Prinzip darum, welche Änderungen im Erbgut uns zu dem gemacht haben was wir sind. An sich unterscheiden wir uns (zumindest von der reinen Prozentzahl) genetisch nicht sonderlich vom Affen oder Schwein. Bei manchen Genen ist die Ähnlichkeit sogar so groß, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist mehr Ähnlichkeit mit der Gensequenz eines Schweines als der eines anderen Menschens zu haben. In der heutigen Vorlesung wurden dann einige statistische Möglichkeiten um Unterschiede in Gensequenzen nachzuweisen vorgestellt, und als Beispiele aktuelle Forschungsprojekte verwendet. So hat eine Forschungsgruppe festgestellt, dass sich eine bestimmte Gensequenz zwischen dem gemeinsamen Vorfahren Mensch/Affe und dem heutigen Huhn in nur zwei Basenpaaren unterscheidet. Vergleicht man jedoch den Vorfahren mit dem heutigen Menschen, so unterscheidet sich die Sequenz in 18 Basenpaaren. Sogar über die Säugetiere hinaus ist die Sequenz also hoch konserviert geblieben, nur in der Entwicklung des Menschens gibt es diese Unterschiede. Nachdem die Forscher die Sequenz gefunden haben (falls es jemand nachlesen möchte: sie wurde HAR1, also human accelerated region 1 genannt), wurde natürlich daran gearbeitet dessen Funktion herauszufinden. Es handelt sich um ein RNA-Gen. DNA wird in der Zelle in RNA transkribiert, und davon ausgehend werden Proteine translatiert. HAR1 wird zwar transkribiert (es entsteht also RNA), aber nicht weiter translatiert (es entstehen also keine Proteine). Doch RNA kann in der Zelle auch diverse andere Funktionen wahrnehmen. Nach ein paar Versuchen wurde festgestellt, dass HAR1 vor allem im Gehirn von Embryonen und während des Gehirnentwicklung im Neocortex exprimiert wird (also aktiv ist). Daraus schließen die Forscher, dass das Gen eine Rolle in der Gehirnentwicklung spielt.

Ähnliches wurde auch für die Sprachentwicklung des Menschens entdeckt. Es gibt ein Gen (FOXP2), dessen Mutation beim Menschen zu schweren Sprachproblemen führt. So wurden die Forscher auf das Gen aufmerksam und untersuchten es genauer. Es hat sich herausgestellt, dass 2/3 aller genetischen Unterschiede zwischen Maus und Mensch einzig auf der Entwicklungslinie der Menschen aufgetreten sind (also erst nach Trennung Affe/Mensch).
Es wurden auch andere Gensequenzen entdeckt, die sich nach dem selben Muster entwickelt habe, wie zum Beispiel HAR2, was wohl einen Einfluss auf die Entwicklungs des Daumes und allgemein auf die Möglichkeit des aufrechten Ganges beim Menschen hat.
Es gibt also sehr wenige Unterschiede zwischen Menschen und anderen Tieren, diese können aber ausschlaggebend sein.

So, eigentlich wollte ich über meinen heutigen Tag berichten. Aber so lernt man wenigstens noch etwas interessantes :)

Donnerstag, 22. September 2011

Bastelzeit

Den Herbstbeginn nimmt Uppsala sehr wörtlich. Es regnet immer mal wieder und windet stark, die Blätter färben sich langsam rötlich und die Temperaturen steigen selten über 15°. Manchmal ist es gar nicht so schlecht nicht laufen gehen zu müssen. Wobei ich davon ausgehe Ende dieser Woche langsam wieder mit dem Training anfangen zu können.
der Tetrapackwein
Sonst war diese Woche nicht sehr spektakulär. Die Arbeit in der Uni hält sich in Grenzen (was sich im Oktober wohl noch ändern wird). Allerdings ist dafür jetzt Bastelzeit angesagt: Samstag veranstaltet eine Austauschstudentin auch England bei sich im Wohnheim eine Party. Dabei soll man sich typisch zu seiner Herkunft verkleiden. Was gar nicht so einfach ist. Yvana hatte schnell die Idee als Baum zu gehen (Hannover ist schließlich eine grüne Stadt). Ich habe mich zunächst loyal für Berlin entschieden und überlegt wie ich mich passend dazu verkleiden könnte. Bei allem Optimismus traue ich mir aber nicht zu mich als Brandenburger Tor zu verkleiden. Die Berliner Mauer wäre vielleicht noch drin gewesen, aber das machen schon andere Mädchen im Kollektiv. Daher habe ich mich doch für Hannover entschieden (gut, wenn man die Auswahl hat) und gehe jetzt als Leibniz-Keks. Besser gesagt als Schoko-Leibniz-Keks, da ich keine beigen sondern nur dunkelbraune Oberteile habe. Um Pappen für das Kostüm zu kaufen bin ich Dienstag in die Stadt geradelt, und zurück kam ich mit einem Kleid. Wie irgendwann schonmal geschrieben gibt es hier regelmäßig Dinner in den Nations, wozu man sich etwas eleganter anziehen soll. Da ich so etwas nicht hier hatte, habe ich noch ein günstiges Kleid in der Stadt gekauft. Ich hoffe, dass es durchgeht, weil es eigentlich knielang sein soll (laut Vorschrift), es allerdings etwas kürzer ist. Außerdem wollte ich mir mal das Systembolaget anschauen. Das ist der einzige Laden in Schweden, in dem man Alkohol über 3,5% kaufen kann. Ich dachte eigentlich, dass es ein normaler Supermarkt sei, wo man unter anderem eben auch Wein oder Bier kaufen kann. Aber da gibt es nur Alkohol. Günstig ist es auch nicht. Tetrapackwein bekommt man da für 57 Kronen, sprich für 6,25€.
ein bisschen erkennt man
den Keks schon
Mittwoch bin ich daher wieder in die Stadt gefahren, um diesmal wirklich Pappen zu kaufen. Das ist nicht einfach, da es in Uppsala nicht sonderlich viele Schreibwarengeschäfte gibt. Ordner habe ich bisher wirklich nur in einem kleinen Laden auf meinem Campus gefunden. Irgendwann wurde ich aber fündig.
Heute nach der Uni ging es dann ans Basteln. Zumindest ein bisschen, denn irgendwie wird das schnell langweilig. Aber ich mache Fortschritte! Auf dem Bild kann man leider nicht die Schrift erkennen, aber die ist auch schon drauf und muss nur noch nachgezogen werden :)